Katie, Cappuchina, Lieselotte und andere Hühner

Posted by on Jan 11, 2013 in Tierhaltung | Leave a comment

Hühner gehören natürlich auf jeden Bauernhof. In erster Linie schonmal wegen der Eier, zum Anderen aber auch, weil es auf einem Hof einfach gackern und flattern muss. Schlachten hingegen können und wollen wir nicht. Wie alle anderen Tiere sollen auch unsere Hühner zur Familie gehören. Doch wie kommt man zum Huhn? Der Kleintiermarkt kommt für uns gar nicht in Frage. Die Art und Weise, wie Tiere dort teilweise verächtlich als Ware behandelt werden und den Stress, dem die Tiere dort ausgesetzt sind, werden wir nicht unterstützen. Außerdem wollen wir uns dieses Elend selbst nicht antun.

Diesen Fehler haben wir einmal gemacht, als wir für unseren Pekingentennachwuchs einen passenden Partner gesucht haben. Den Markt haben wir nach wenigen Minuten deprimiert und schockiert wieder verlassen. Da werden Küken in Kisten mit dem Fuß hin und her gekickt, verängstigte und hochgestresste Tiere auf grobe Art und Weise gepackt, herausgezerrt, präsentiert und abgepackt, bzw. bei Nichtfgefallen zurück in die Kiste oder den Käfig gepfeffert. Es ist schlichtweg zum Kotzen, zu wie wenig Mitgefühl und Empathie so mancher Mensch seinen Mitgeschöpfen gegenüber fähig ist. Außerdem finden wir es höchst befremdlich, wie viele Leute dieses Drama mit ihren Kindern als Familienausflug besuchen. Schön ist das wahrlich nicht, all die verängstigten Tiere, auf engsten Raum gepackt, leiden sehen zu müssen. Scheinbar wird das von den meißten Menschen nicht wahrgenommen.

Glücklicherweise geriet Tanja als langjährige Förderin der Animals Angels an eine Organisation, die ausgestallte Legehennen an private Tierhalter vermittelt, bevor sie nach knapp einjähriger “Nutzungsdauer” völlig ausgezehrt beim Schlachter landen. Hierbei ist es für den einen oder anderen vielleicht interessant zu wissen, wie die guten Bodenhaltungseier so schön billig in den Handel kommen. Der Gesetzgeber hat schließlich in den vergangenen Jahren einige Verbesserungen in der Hühnerhaltung vorgeschrieben, und so kaufen die meissten Endverbraucher inzwischen mit recht gutem Gewissen die Eier mit Handelsklasse 2. Doch wie sieht denn das Leben eines Huhnes aus, dessen Eier mit einer 2 für Bodenhaltung bestempelt im Supermarkt landen? Seit 2011 kaufen wir selbst ausgestallte Hühner aus Bodenhaltungsbetrieben und konnten seitdem einigen hundert Hühnern ein verdientes und artgerechtes Leben schenken. Die meisten Hühner vermitteln wir gegen eine geringe Entschädigung weit unterhalb der Selbstkosten an private Halter, ein Teil davon bleibt bei uns. Viel zu wenige, aber jedes Leben zählt und wir arbeiten daran das Ganze auszuweiten.

Was wir bei unseren Besuchen in den Legebetrieben zu sehen bekommen ist in der Regel äußerst ernüchternd. Mit artgerechter Haltung hat das alles nichts zu tun.

Zusammengepfercht fristen die Hennen ihr Dasein als Legemaschinen, lebensberechtigt nur so lange die Quote stimmt. Sobald die Hühner ausgezehrt in der Legeleistung nachlassen ist ihr Ende besiegelt. Innerhalb eines Jahres sind sie am Ende, halb nackt, mit blassen, herabhängenden Kämmen, die Krallen oft so lange, dass sie nicht mehr richtig laufen und schon gar nicht erst scharren können. Damit sie sich in ihrem Dauerstress nicht gegenseitig blutig picken, werden Ihnen die Schnäbel gezwickt. Einige Hühner, die wir erlöst haben, konnten mit ihren verstümmelten Schnäbeln kein Korn vom Boden aufnehmen.

Oftmals befindet sich im für Besucher zugänglichen Vorzeigebereich eine Hand voll adretter Vorzeigehühner in ansehnlichen Gehegen. Mehr muss der Kunde nicht sehen. Da wo die Eier herkommen siehts allerdings oft anders aus. So manches Huhn, das gute Bodenhaltungseier zu legen hatte, wurde uns aus dunklen Scheunenböden überreicht, wo sie ohne einen Sonnenstrahl in brütender Sommerhitze eingepfercht waren. Unter fadenscheinigen Begründungen wollte man uns den Zutritt verwehren, verständlich… gesehen haben wir aber genug. Fühlt euch herzlich eingeladen mal den Begriff “Bodenhaltung” zu googeln und versucht danach ein Ei mit einer 2 drauf mit Appetit zu essen. Die folgenden Videos sind nicht von uns, spiegeln aber ganz gut die Situation wieder, die wir in der Regel vorfinden.

Unser Fazit: Wenn schon Eier aus dem Handel, dann mindestens aus Freilandhaltung (Klasse 1), besser noch aus ökologischer Erzeugung (Klasse 0). Auch das ist keine Garantie für eine artgerechte Tierhaltung und nur die wenigsten Legebetriebe haben dieses Prädikat aus unserer Sicht im entferntesten verdient. Es ist aber die einzige Möglichkeit Legebetriebe zu einer besseren Hühnerhaltung zu motovieren. Was der Gesetzgeber vorgibt ist erstens von Haus aus schon ein Freibrief zur Tierquälerei und wird zweitens noch nicht einmal eingehalten.

Dass es auch anders geht, haben wir in einem Betrieb gesehen, der seine Hühner nach den strengen Demeter-Richtlinien hält. Die Hühner haben dort schöne, naturnahe Auslaufbereiche, haben ein vielseitiges Nahrungsangebot und können ihrem natürlichen Verlangen als Huhn nachgehen, nach Herzenslust scharren, sandbaden und nach Würmern picken. Kein Wunder, dass die Hühner aus diesem Betrieb keinerlei psychische Störungen hatten, sofort handzahm waren und sofort Eier gelegt haben, die auch gleich bei uns auf dem Frühstückstisch landeten. Die Eier von Hühnern aus Bodenhaltung essen wir normalerweise die ersten 4-6 Wochen nicht, bis die armen Tiere sich einigermaßen erholt haben und wieder gesund werden.

 Wie aus Legesklaven wieder lebendige Hühner werden:

Es dauert eine ganze Weile, bis sich die armen ausgezehrten Hühner von der Tortour ihres bisherigen Daseins erholt haben. Sie müssen erst lernen mit den neuen Sinneseindrücken umzugehen. Viele von Ihnen kennen nur schummeriges Kunstlicht und haben noch nie einen natürlichen Boden berührt, bzw. etwas anderes als leistungsförderndes Legemehl gefressen. Alles was wir mit einem Huhn in Verbindung bringen würden ist ihnen fremd. Scharren, Baden im Sand, gezielt nach Leckereien picken oder auch nur das freie Herumlaufen ohne Begrenzung müssen Sie erst lernen. Gerade in den ersten Wochen ist es die reinste Metamorphose, wenn aus einem nackten, blassen Huhn ohne Lebenslust ein freches, forsches und anhängliches Gackertier mit einem roten Kamm und klaren Augen wird :)

         

         

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