Feuchtbiotop

Posted by on Sep 9, 2012 in Renaturierung | Leave a comment

Bereits beim Kauf des Hauses haben wir uns über den vorhandenen kleinen Weiher gefreut, der am östlichen und tiefstgelegenen Zipfel unseres Grundstückes liegt. Hier laichen im Frühjahr Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche ab, die Laufenten von unserem Nachbar schwimmen hier und holen sich ihre Extraportion Nährstoffe aus dem Bodenschlamm. Insgesamt schon sehr nett, aber doch ein bisschen nackt und rechteckig in seinem kahlen Uferverlauf. Da geht mehr!

Neben der Selbstversorgung war uns von Anfang an die Renaturierung von überkultivierten Flächen ein Anliegen, die es zum Glück auf unserem Grund kaum gibt. Trotzdem, der Teich ist eine prima Ausgangssituation zur Erschaffung eines Feuchtbiotops mit angrenzender Moorwiese, wie es hier im Voralpenraum der natürliche Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen war, bevor die Wildnis der Weidewirtschaft und der Fichtenmonokultur geopfert wurde. Im zeitigen Frühjahr 2011, der Boden ist gerade aufgetaut, die ersten Frösche lassen aber noch auf sich warten, knattern wir also mit unserer Daisy Deutz die Wiese runter zum Teich. Schwer bewaffnet mit Frontlader und Erdschaufel werden wir den Teich um eine Flachwasserzone erweitern, die die Natur in Besitz nehmen darf. Mit viel Schnur, Latten und Wasserwaage ermitteln wir den neuen Uferverlauf, dem natürlichen Geländeverlauf angepasst und mit einem kontrollierten Überlauf in die darunter anschliessende Wiese. Zwischen dem sehr natürlichen Bach und unserem Teich darf jetzt im Laufe der Jahre wieder eine waschechte Moorwiese entstehen.

Die Ausgangssituation zeigt den vorhandenen Teich. Jetzt schon wichtiges Biotop für die Region, aber aufgrund der unnatürlichen Ufergestaltung und dem kanalisierten Überlauf noch sehr unter seinen Möglichkeiten.

   

Zeit für ein bisschen Starthilfe, bevor Mutter Natur das Ruder übernehmen kann. Beim Ausbaggern stellen wir bereits fest, dass der Bodengrund purer Lehm ist. Das Baggern mit dem Trekker wird trotz Allrad zur Tortour, aber was besseres konnt uns gar nicht passieren, denn somit ist gewährleistet, dass die Flachwasserzone sich gut abdichten wird und der Teich als Gesamtes nicht zuviel Wasser verliert. Nur der Überlauf soll die Feuchtwiese versorgen und der Teich ein stabiles System bleiben. Mehrere kleine Zwischenteiche sollen unterhalb des Hauptteiches entlang am Überlauf zusätzliche Laichzonen für Amphibien und Insekten schaffen.

         

Zwischen altem Teich und der neu geschaffenen Uferzone lassen wir einen Damm stehen, so dass wir die Flachwasserzone kontrolliert fluten können. Wir wollen uns zunächst vergewissern, dass der ermittelte Uferverlauf stimmt und dass das neue Ufer das Wasser hält. So lassen wir das Wasser ganz langsam über einen kleinen Graben überlaufen, verschliessen den Damm wieder und warten ab. Alles super! Das viele Rangieren mit dem Traktor im nassen Lehm hat den Bodengrunfd der Flachwasserzone perfekt abgedichtet, somit reissen wir den Damm ein, bis auf ein kleines Stück, dass wir in der Mitte als Insel stehen lassen. Das neue Ufer wird mit heimischen Sumpf- und Uferpflanzen geimpft. (Alle Pflanzen sind im Handel erhältlich, bitte niemals in der freien Natur bedienen). Da hier sicher ein idyllischer Platz entstehen wird bauen wir uns noch einen kleinen Steg zwischen Teich und Sumpfzone. Ein perfekter Platz, um sich später mit Kamera bewaffnet, auf die Lauer zu legen, denn eines ist sicher, das Leben wird sich hier einfinden. Um das junge und empfindliche Biotop zu schützen zäunen wir es so unauffällig wie möglich ein, denn inzwischen haben wir selbst auch noch Enten und diese auf das neue Biotop loszulassen, das wäre wie Dschingis Kahn mit seinen Horden in eine Selbsthilfegruppe für schüchtene Menschen einzuschleusen. Als Wiedergutmachung bekommen unsere Enten ein hübsches Häuschen gebaut. Somit wäre unser Part erstmal erledigt, wir überlassen die neu geschaffenen Voraussetzungen der Natur und beobachten einfach, was passiert…

                                    

Wow… bereits im gleichen Frühjahr geht in dem neuen Sumpf der Punk ab. Wie erwartet sind die Grasfrösche die ersten die sich einfinden, gefolgt von den Erdkröten und im Mai den ersten Ringelnattern. Die Mühe hat sich gelohnt. Doch dann im Juni machen unsere Herzen einen wahren Freudenhüpfer. Wir hören den ersten Laubfrosch. Einige Tage später finden sich weitere Musikanten ein und am Abend stößt dann wohl noch der Dirigent dazu. Wir liegen mit einem Grinsen im Bett und lauschen weniger einem Froschkonzert, als einer wahren Symphonie von Laubfröschen. Herrlich!!!

Um das Gewässer zusätzlich noch ein bisschen zu beleben entschliessen wir uns noch kleine, einheimische Friedfische, nämlich Bitterlinge, einzusetzen. Bitterlinge kommen prima in Flachgewässern zurecht. Um sich zu vermehren sind sie aber auf eine Gemeinschaft mit Teichmuscheln angewiesen, in die sie ihren Laich ablegen. Im Gegenzug dürfen die Muscheln ihre Eier in den Kiemen der Bitterlinge ablegen und so wäscht eine Hand die andere. Die Fische und Muscheln haben inzwischen ihren ersten Winter hinter sich und wir sind hocherfreut, dass wir sie diesen Sommer wieder gesichtet haben. Es scheint also alles zu funktionieren und sie haben den zugefrorenen Teich gut überstanden.

         

Im darauffolgenden Jahr macht es dann BUMM. Der neue Teich explodiert geradezu in einer Pracht und Fülle, dass wir es gar nicht fassen können. Ringelnattern hängen überall in den Ästen über dem Wasser, es quakt und zappelt und tut an allen Ecken und Enden. Libellen schwirren durch die Luft, Ende August kommen noch frisch geschlüpfte Ringelnattern dazu. Ein wahres Paradies ist entstanden. Immer mal wieder findet sich ein Schwarzstorch ein, Schermäuse schwimmen durch die Krautzone und sorgen dafür, dass der üppige Bewuchs an Sumpfpflanzen nicht überhand nimmt. Da wir inzwischen 10 Enten haben, die natürlich kräftig in das Gewässer käckern, ist die neue Sumpfzone zusätzlich eine wichtige Wiederaufbereitungszone für das Wasser und tatsächlich ist das Wasser auch in der größten Sommerhitze niemals brackig geworden. Genug gelabert, lassen wir einfach die Bilder sprechen. :)

                           

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